Informiert im Gesundheitswesen

Findet noch irgendwer Geiz geil?

Fotolia_58137149_XSZu Tausenden fahren die Schnäppchenjäger über die Grenze, um im nahen Ausland billig einzukaufen. Ach, was heisst Schnäppchenjäger! Die halbe Schweiz brüstet sich damit, sie sei doch nicht blöd. Einkaufen im Ausland gehört beinahe schon zum guten Ton. Nur den Schweizer Lohn und den Schweizer Komfort und die Schweizer Sicherheit und den hohen Schweizer Lebensstandard, den möchten dann doch alle haben. Es gibt ja zum Glück noch ein paar Deppen, die bereit sind, rund um die Uhr zu arbeiten, damit die versnobte Partygesellschaft ihren Spass haben kann. Nur hin und wieder traut sich jemand, diese «Ich-will-alles-und-zwar-möglichst-billig»-Mentalität zu hinterfragen. So kürzlich geschehen im «Der Bund» online. Unter dem Titel «Geiz, der Bruder der Gier» zieht ein Journalist den Schluss: «Die Dinge müssten so viel kosten, wie sind nun mal eben kosten, wenn sie so entstehen, dass daraus niemandem ein Schaden erwächst.» Die Rede ist von alltäglichen Konsumgütern, zum Beispiel von den Tonnen Fleisch, die man ennet der Grenze für dreimal nichts gekauft hat, oder vom T-Shirt, das eigentlich 80 Franken kosten müsste, wenn man es in der Schweiz produzieren würde.

Leider verliert der Journalist kein Wort über die Medikamentenpreise. Da finden vom Bundesrat bis zur Hausfrau, von der Journalistin bis zum Konsumentenschützer, vom Preisüberwacher bis zum Lokalpolitiker Geiz geil. Wo die Medikamente produziert werden, ist egal. Dass sie teilweise für derart ruinöse Preise verkauft werden müssen, dass sich die Produktion, selbst wenn sie ins billigste Produktionsland verlegt wurde, nicht mehr lohnt, ist wurscht. Dass die Versorgungssicherheit wegen der massiven staatlichen Preisdrückerei gefährdet ist, wen kümmert es. Dass der Preisvergleich mit dem Ausland ein Scheinszenario ist, um nicht geradestehen zu müssen für die letztlich völlig willkürlichen Preissenkungen, wer wagt es schon, etwas dagegen zu sagen. Aber immerhin, der Artikel über den Wahnsinn des «pathologischen Discount-Shopping» im Ausland könnte ein erster Schritt zum Nachdenken auch über sinnvolle und faire Arzneimittelpreise sein.

http://www.derbund.ch/schweiz/standard/Geiz-der-Bruder-der-Gier/story/10923738

9. Juni 2015

Foto © Jürgen Fälchle Fotolia

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