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«Health-get-together» – ein vielversprechendes Projekt zur interprofessionellen Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern

Kürzlich haben wir an einer Netzwerktagung eine Präsentation über interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern gehört. Wir möchten unseren Lesern mit dem folgenden Beitrag eine kurze Zusammenfassung über dieses vielversprechende Projekt der Vereinigung der jungen Pharmazeuten Schweiz (SwissYPG) und der Jungen Hausärzte Schweiz (JhaS) geben.

 

Stellen Sie sich vor:

Wir schreiben das Jahr 2018, in einer kleinen Gemeinde im Kanton Luzern. Die Gemeinde liegt in einem Tourismusgebiet und die Nachfrage zur Behandlung kleinerer gesundheitlichen Probleme ist hoch. Die Apotheke im Nachbarsdorf wurde im Februar wegen zu tiefem Umsatz geschlossen, die SD dominiert das Gebiet, sogar in den Pflegeheimen. Die nächste Apotheke ist 30 Minuten entfernt.

Eine junge Hausärztin, mit eigener Praxis in der Gemeinde, zählt einen Patientenstamm von rund 6’000 Menschen! (durchschnittlich hat ein CH-Hausarzt ca. 2’000). Sie muss nach neuen Lösungen und Wegen suchen, wie der Patient seinen Nasenspray bekommt – ohne ärztliche Konsultation, welche sie bei Bagatellen gar nicht erbringen möchte und auch nicht kann.

Nur eines von zahlreichen Beispielen wie es heute in der kleinen Schweiz punkto Grundversorgung läuft.

 

Apotheken als niederschwellige Grundversorger

In der Schweiz gibt es rund 1’800 Apotheken, welche bestens ausgebildet sind und neue Dienstleistungen wie Impfen oder Netcare anbieten. Damit leisten Sie einen niederschwelligen Zugang zur Grundversorgung. Schade ist, dass diese Angebote heute noch nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Oft wird nicht realisiert, was ein Apotheker alles kann und bietet. Zudem gibt es viele Ärzte, die nicht bereit sind für eine Zusammenarbeit mit einer Apotheke.

 

Vernünftig wäre…

…wenn Arzt und Apotheker zusammenarbeiten würden und gegenseitig Ansprechpartner wären. Dabei tut jeder was er am Besten kann, mit fliessendem Übergang zwischen den Parteien. Solch interprofessionelle Zusammenarbeit sollte selbstverständlich sein, das Resultat wäre hohe Qualität, zufriedene Patienten und kostensparendes Verhalten.

«Health-get-together»

Sieht man sich diese Ausgangslage an, wird schnell klar, Arzt und Apotheker brauchen einander ganz dringend. Deshalb haben SwissYPG und JhaS gemeinsam ein Projekt gestartet. Zuversichtlich, dass dies mit dem Generationenwechsel auch erfolgreich sein wird, versuchen beide Organisationen Apotheken und Ärzte auf freiwilliger Basis für die Zusammenarbeit zu motivieren.

Und so geht’s: Apotheker und Hausärzte lassen sich in einer Liste eintragen. Dort wo zwei Interessenten an einem Ort arbeiten, gibt es einen «Match». Diese Parteien können zusammensitzen und individuelle Formen der Zusammenarbeit besprechen. Den Apothekern wird geraten, mit Selbstvertrauen proaktiv auf die Ärzte zuzugehen und von den eigenen Fähigkeiten überzeugt zu sein. Die Ärzte sollen die Apotheker besser kennenlernen, in der Zusammenarbeit eine Entlastung sehen und vom Gedanken des «Ein-Mann-Orchesters» wegkommen.

Wer sich für das Projekt interessiert, findet unter www.swissypg.org nähere Informationen.

 

Es braucht neue Rahmenbedingungen

Die Wichtigkeit der neuen Grundversorgung ist zentral. Das Bundesgesetz über die Krankenversicherung KVG hat heute sehr strikte Regeln und schliesst interprofessionelle Arbeit nahezu aus. Es benötigt dringend neue Rahmenbedingungen, welche die medizinische Grundversorgung und die Prävention gegenüber der Spitzenmedizin höher gewichten. Die Krankenkassen sollten hier unbedingt mehr Eigeninitiative zeigen.

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