Informiert im Gesundheitswesen

Ratlos in der Migros

Kurz nach dem Anfang Dezember bekannt wurde, dass nur gerade 94 Arzneimittel neu im Supermarkt verkauft werden dürfen und alle anderen – zur Sicherheit der Patienten – weiterhin die Beratung einer Fachperson benötigen, ist in der Presse von der Motion Noser zu lesen. Unterstützt wird diese vorne weg auch von der Konsumentenschützerin Sara Stalder.

Die Kommentare der beiden veranlassen den Drogisten Hanspeter Michel von der Drogerie Teufen zu einem Brief an Ruedi Noser und Sara Stalder. Dieses gelungene Schreiben spricht uns aus dem Herzen und wir möchten es unseren Lesern nachfolgend gerne wiedergeben:


Sehr geehrte Frau Stalder
Sehr geehrter Herr Ständerat Noser

Kopfschüttelnd nahm ich in der Sonntagspresse Kenntnis von der Motion Noser samt Ihrer beider Kommentare. Vielleicht darf ich Ihnen mein Unverständnis über Ihre Äusserungen anhand zweier Beispiele aus meinem Drogeriealltag veranschaulichen:

Gestern verlangte eine erkältete Kundin Halsschmerztabletten (nota bene mit lokalem Antibiotikum) und wollte damit ihren Reizhusten behandeln („Aber das ist doch für den Hals?“). Ich empfahl ihr statt Mebucaïne Tabletten gegen den nächtlichen Hustenreiz sowie Tropfen zum Lösen des zähen Bronchialschleims.

Letzte Woche klagte eine Kundin über Rückenschmerzen in der Nierengegend und verlangte eine Rheumasalbe. Mein Nachfragen ergab, dass die Dame wohl an einer verschleppten Harnwegsinfektion leidet und, statt Perskindol einzureiben, dringend ihren Hausarzt aufsuchen sollte.

Und Sie? Sie lassen sich von eloquenten Migroslobbyisten einlullen und sind sich nicht zu schade, die rein pekuniären Interessen der Grossverteiler mit einer vermeintlichen „Bevormundung der Schweizer Bürger“ zu verteidigen. Und Frau Stalder schützt ihre Konsumenten, indem Kundin A nach Wochen falscher Lutschtabletten aus der Selbstbedienung mit einer ausgewachsenen Bronchitis doch zum Arzt muss und Kundin B nach erfolglosem „Sälbelen“ schliesslich auf der Intensivstation landet.

Die Einteilungskriterien, bei deren Erarbeitung die IG Detailhandel genauso vertreten war wie etwa der Schweizerische Drogistenverband, wurden bereits im Vorfeld absolut transparent kommuniziert (siehe Anhang). Nun plötzlich die Unabhängigkeit der Behörde zu bezweifeln, nachdem es einmal nicht nach den Wünschen des orangen Riesen lief, ist schon ein starkes Stück. Ich lade Sie gerne ein, sich bei uns persönlich ein Bild von der «gut informierten» Bevölkerung und deren Kenntnissen über die ach so «harmlosen Heilmittel» zu machen.

Gute Besserung und freundliche Grüsse
Hanspeter Michel



© Image by Adobe Stock

Kommentar verfassen

Unsere Partner

Nach oben scrollen
%d Bloggern gefällt das: