Informiert im Gesundheitswesen

Blindflug mit Referenzpreis

Versorgungsengpässe – ein grosses Problem mit fatalen Folgen für die Versorgungssicherheit der Schweizer Bevölkerung. Auf 3-min.info seit jeher ein Thema. Nun scheint der Ursprung des Problems in seiner bedrohlichen Dimension aber auch bei den Zeitungen angekommen zu sein. Die NZZ am Sonntag titelte in der Ausgabe von letzter Woche «Antibiotika-Mangel: Billigpreispolitik trifft kranke Kinder» (Link auf Artikel)

 

Auch Covid-19 scheint hier zur Einsicht beigetragen zu haben, zumindest was die Abhängigkeit der industrialisierten Welt von den billigen Produktionsstätten in Asien betrifft. Wenn die NZZ am Sonntag schreibt, dass die Versorgungsengpässe vor allem ältere Medikamente betreffen, welche die breite Masse des Bedarfs decken, dann sind damit die günstigen Generika gemeint. Also die Medikamentengruppe, die mit dem vom BAG vorgeschlagenen Referenzpreissystem betroffen ist. Auch neue Studien zeigen, dass damit ein zunehmendes Risiko der Versorgungslücken auf uns zukommt. Deshalb ist das Vorhaben des BAG – massive Preissenkungen bei den Generika – ein Blindflug mit gefährlicher Landung.

 

Genauso schleierhaft ist die ewige Leier des Preisüberwachers, dass die Apotheker zu hohe Margen auf den Medikamenten hätten. Bei dem in der NZZ angegebenen Durchschnittspreis für patentgeschützte Medikamente von CHF 307.74 (darin sind die hochpreisigen Medikamente eingeschlossen) beträgt die Marge etwa 15 Prozent, welche sich der Apotheker und der Grossist teilen. Man muss kein Rechengenie sein, um zu begreifen, dass die Forderung des Preisüberwachers – Systeme müssten verändert werden, weil die Verdienste der Apotheken zu hoch seien – damit klar widerlegt werden.

 

Wir hoffen, dass Covid-19 nicht nur bei den Journalisten Spuren der Einsicht hinterlassen hat. Unsere Politiker und Bundesbeamten haben neben den Erfahrungen, die Corona gebracht hat, weitere Indize, um hier zur Vernunft zu kommen. So haben die Nationalräte von der Vereinigung der Schweizer Pharmafirmen VIPS ein wichtiges, klares Positionspapier zu den Folgen eines Referenzpreissystems erhalten. Und BAG und SECO sollten sich das Fazit der von Fachleuten gemachten Analyse zu Herzen nehmen. Denn diese warnen ebenfalls vor der Einführung des Billigstprinzip, weil dies unweigerlich und erwiesenermassen zu noch mehr Lieferengpässen führt.

 

 

© Image by Adobe Stock

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