Warning: Cannot modify header information - headers already sent by (output started at /var/www/vhosts/3-min.info/httpdocs/index.php:1) in /var/www/vhosts/3-min.info/httpdocs/wp_201802/wp-includes/feed-rss2.php on line 8 Claude Houriet – Informiert im Gesundheitswesen https://3-min.info Aktuelle Themen im Gesundheitswesen auf kritische, aber akzentuiert kommentierte Art nähergebracht. Wed, 20 Jun 2018 04:00:39 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 https://www.3-min.info/wp_201802/wp-content/uploads/2018/03/icon.png Claude Houriet – Informiert im Gesundheitswesen https://3-min.info 32 32 Entwicklung der Gesundheitskosten oder unter der Sonne nichts neues https://3-min.info/2018/06/19/entwicklung-der-gesundheitskosten-oder-unter-der-sonne-nichts-neues/ https://3-min.info/2018/06/19/entwicklung-der-gesundheitskosten-oder-unter-der-sonne-nichts-neues/#respond Tue, 19 Jun 2018 08:46:28 +0000 https://www.3-min.info/?p=11034 Mitte Juni nahm 3-min.info an einer Veranstaltung teil, an der die KOF (Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich) zahlreichen National-, Stände- und Regierungsräten sowie Exponenten des Gesundheitswesen die Gesundheitsausgabenprognosen für die Zeit von 2017-2019 an vorstellte.

Daraus ging hervor, dass das Gesundheitswesen Schweiz einem permanenten Ausgabenanstieg unterworfen ist. Der Anstieg läuft mehr oder weniger parallel zum Bruttoinlandprodukt (BIP). Die Kurve ist über die Jahre linear: 1980 war der Anteil des Gesundheitswesen am BIP etwa 6,5%. Eine Verdoppelung auf 13% wird wohl 2019 die Realität werden. Alle getroffenen Massnahmen der letzten 25 Jahre, die Kosten zu bremsen,  haben somit ihre Wirkung verfehlt.  Um es positiv auszudrücken: Sie haben  vielleicht eine noch grössere Zunahme verhindert.

Über die Ursachen für diesen Anstieg wurde leider nicht viel Neues vorgestellt. Die Tatsache, dass die Ausgaben mit dem Alter exponentiell zunehmen ist eindrücklich aber wohl längstens bekannt.

Leider wurde dieser Aspekt in der Paneldiskussion mit einem FMH-Vertreter, einer Vertreterin der Pflege, dem Preisüberwacher und dem CEO einer grossen Krankenkasse nicht aufgenommen. Jeder Exponent verteidigte seine Position und pflegte sein eigenes Gärtchen. Aus der Diskussion ging kein einziger neuer Lösungsansatz, keine einzige zündende Idee hervor, wie das Problem gelöst werden könnte. Politiker wie Vertreter des Gesundheitswesens begnügten sich mit kurzfristigen Massnahmen. Ihre Voten liessen nichts weiter als Business as usual erkennen. Man begnügte sich mit Flickübungen, indem man mal hier und mal dort  ein bisschen an den Kosten schraubt, und der Preisüberwacher beharrte auf dem Festbetrag für Generika, die weniger als 1% der Gesamtkosten im Gesundheitswesen ausmachen. Aber diesen Fakt liess er natürlich beiseite. Ganz nach dem Motto: Ich lasse mir nicht von Fakten meine Ideologie kaputtmachen!  Und mit dem Argument, das Gesundheitswesen sei ja so komplex, lässt sich auch trefflich Konkretes umschiffen. Auf Statements zu Kostentransparenz, elektronischem Patientendossier (EPD), Big-Data-Analysen, um nur einige Stichworte zu nennen, wartete man vergebens.

Nimmt man die Kosten nach Leistungserbringer unter die Lupe, ist eines klar: Der Detailhandel – das sind im Gesundheitswesen die Apotheken – ist mit seinem anhaltend schrumpfenden Anteil an den Gesamtkosten ganz bestimmt nicht der Verursacher dieses Fiaskos!

 

 

Wir fragen uns: Wo ist die Gesamtschau des Bundesrates, der Politiker, des Preisüberwachers, der Leistungserbringer, der Krankenkassen? Sehen die alle nur Nebel? Man sollte doch erwarten dürfen, dass die Verantwortlichen den Hebel dort ansetzen, wo der grösste Teil der Kosten anfällt. Gemäss einer akutellen Studie in den USA, verursachen 5% der Patienten 51 % der Kosten. Ein aktives Management in einem interdisziplinären Team von Ärzte, Pflegerinnen, Pharmazeuten und Krankenkassen mit einem transparenten, interaktiven Elektronischen-Patientendossier wäre ein konkretes und effizienter Ansatz auch in der Schweiz. Er würde die Qualität verbessern, Doppelspurigkeiten verhindern und massiv Kosten sparen!

 

 

Zum Schluss die Prognose des KOF:

 

Der Kommentar von 3-min.info: Die Mauer, auf die wir zusteuern, ist in Sichtweite!

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https://3-min.info/2018/06/19/entwicklung-der-gesundheitskosten-oder-unter-der-sonne-nichts-neues/feed/ 0 11034
Unsere Reaktion auf den Artikel in Saldo «Schweizer Patienten zahlen Phantasiepreise» https://3-min.info/2018/04/20/unsere-reaktion-auf-den-artikel-in-saldo-schweizer-patienten-zahlen-phantasiepreise/ https://3-min.info/2018/04/20/unsere-reaktion-auf-den-artikel-in-saldo-schweizer-patienten-zahlen-phantasiepreise/#respond Fri, 20 Apr 2018 06:40:54 +0000 https://www.3-min.info/3min/?p=10030 Der IFAK Verein engagiert sich übers ganze Jahr politisch für die unabhängige Apotheke, umso schöner, wenn auch mal ein Teil davon an der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. In der aktuellen Ausgabe des Saldo (7/2018) wurde ein Auszug aus dem Leserbrief veröffentlicht, welcher der IFAK Verein als Antwort auf den in der Ausgabe 4/2018 erschienen Artikel «Schweizer Patienten zahlen Fantasiepreise» zum Thema zu hohe Preise bei MiGel-Produkten verfasst hatte. Wir denken, steter Tropfen höhlt den Stein, wenn es darum geht, als David gegen Goliath um die stammtischgeprägten Meinungen zu Apotheken und Apothekerpreisen zu kämpfen. Lesen Sie hier den kompletten Leserbrief sowie den entsprechenden Artikel und den publizierten Leserbrief.

 

Sehr geehrter Herr Lanz

Mit Interesse haben wir ihren Artikel gelesen. Wie wir leider schon öfters feststellen mussten, werden bei Preisvergleichen mit dem Ausland oft Äpfel mit Birnen verglichen. Wir möchten jedoch hier nicht darauf eingehen, da es den Rahmen sprengen würde.

Schweizer Patienten zahlen tatsächlich Phantasiepreise, aber nicht aus dem Grund, den Sie in Ihrem Artikel darstellen.

Sie machen zwar das BAG für die Misere der Migel verantwortlich, wir sind aber der Meinung, dass Sie die echte Problematik der „Mittel- und Gegenstandsliste“ in ihrem Artikel nicht erkannt haben. Auch sagen Sie, dass der Apotheker de facto stets den Höchstvergütungspreis verrechnet. Dies ist nicht die Regel. In vielen Fällen hat er gar keine andere Wahl, denn die Marge reicht oft nicht, um kostendeckend zu arbeiten.

Das falsche System des Höchstvergütungspreises richtet sich in keiner Weise nach dem Markt, die Industrie muss sich auch nicht danach richten. Die vom BAG verordneten Preise sind tatsächlich Phantasiepreise, sie haben gar nichts mit dem Markt zu tun. Die Industrie passt oft den Preis gar nicht oder nur minimal an, auch wenn der Höchstvergütungspreis vom BAG gesenkt wird. Somit hat die Preisfestsetzung durch das BAG weder etwas mit dem Preisvergleich mit dem Ausland, noch mit den Marktpreisen in der Schweiz zu tun, sondern sind eben Phantasiepreise.

Als jüngstes Beispiel dazu möchten wir das neue Blutzucker-Messystem «Freestyle libre» der Firma Abbott Schweiz aufführen. Dieses neue Messystem wurde vom BAG zum Höchstvergütungspreis von Fr. 65.10 für die Sensoren neu in der MiGeL aufgenommen. Das System kann nur per Internet bei der Firma Abott zum Preis von CHF 65.10 gekauft werden. Auch die Apotheke können es nur via Internet und auch nur zum gleichen Preis wie die Kunden bestellen, sie muss aber eine Mindestbestellung machen, wenn sie nicht zusätzlich Portokosten berappen möchte. Die Lieferfrist ist unzumutbar, sie beläuft sich auf 5 bis 7 Tage. Der Patient, welcher keinen Internetanschluss oder Anwendungsfragen hat, ist auf sich selbst gestellt. Auch ist es fraglich, ob die Vergütung durch die Krankenkassen unter diesen Umständen rechtlich zulässig ist.

Eine Beratung, Bestellung oder Fakturierung über die Apotheke an die Krankenkasse müsste der Patient selber bezahlen. Obwohl es sich gemäss Krankenversicherungsgesetz um eine Pflichtleistung handelt, muss der Patient ihm zustehende Leistungen selber bezahlen. Dies zeigt auf, dass durch das BAG bestimmte System des  Höchstvergütungspreises schlichtweg falsch ist. Dadurch wird der Mark behindert, da ändert auch ein Preisvergleich mit dem Ausland gar nichts.

In der Hoffnung, dass Sie unsere Stellungnahme veröffentlichen, um den Titel Ihres Artikels auch einmal von einer anderen Seite betrachtet zu erhalten, stehen wir für weitere Informationen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen
IFAK Verein

Dr. Claus M. Hysek        Claude Houriet
Präsident                         Generalsekretär

 

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Viele Pflaster, aber kein wirksames Rezept im Gesundheitswesen https://3-min.info/2018/04/09/viele-pflaster-aber-kein-wirksames-rezept-im-gesundheitswesen/ https://3-min.info/2018/04/09/viele-pflaster-aber-kein-wirksames-rezept-im-gesundheitswesen/#respond Mon, 09 Apr 2018 12:57:13 +0000 https://www.3-min.info/3min/?p=10022 Dieser Artikel von Andreas Faller ist zuerst in der Basler Zeitung vom 5. April 2018 erschienen.

Die steigenden Krankenkassenprämien stellen unser solidarisch funktionierendes System auf eine harte Probe

Durch die steigenden Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien wird unser solidarisch funktionierendes System auf eine harte Probe gestellt und es wird immer schwieriger, die gesunden Prämienzahler davon zu überzeugen, Behandlungen von Patientinnen und Patienten mit ihren Prämien zu finanzieren.

Was tun die Systemverantwortlichen?

Ende 2016 hat das Eidgenössische Departement des Innern eine 14-köpfige Expertengruppe beauftragt, Massnahmen zur Erzielung von Einsparungen im Gesundheitswesen zu erarbeiten. Deren Bericht mit 38 Massnahmen wurde am 25. Oktober 2017 publiziert. Vergangene Woche hat der Bundesrat entschieden, einen ersten Teil von zwölf Massnahmen im kommenden Herbst, einen zweiten Teil im Jahr 2019 in die Vernehmlassung zu schicken.

Was ist dieses Massnahmenpaket wert? Es liegt hier ein Strauss an Massnahmen vor, von denen ein bedeutender Teil durchaus als gut und sinnvoll einzustufen ist, ein weiterer Teil aber als problembehaftet. Leider stehen die vorgeschlagenen Massnahmen teilweise im Widerspruch zueinander und folgen keinem systematischen Reformplan.

Gewisse wichtige Themen werden zudem nur zaghaft angegangen, zum Beispiel die heikle Mehrfachrolle der Kantone. Somit würde eine darauf abgestützte Revision des schweizerischen Gesundheitswesens wichtige Probleme nicht anpacken und keine nachhaltige Systemverbesserung bewirken.

Schwierig ist ausserdem die vom Bundesrat beschlossene, gestaffelte Bearbeitung, eine dahinterstehende Logik ist nicht erkennbar. Hierzu sei ein Beispiel herausgegriffen: Im Herbst 2018 wird mit dem Referenzpreissystem eine erste neue Massnahme im Arzneimittelbereich zur Diskussion gestellt, die weiteren Massnahmen in diesem Bereich sollen erst im Jahr 2019 in die Vernehmlassung gehen. Aus dem gewählten Vorgehen ist kein Versuch erkennbar, die Preisbildung von Arzneimitteln als Ganzes nachhaltig zu reformieren, wie es breite Kreise seit längerer Zeit fordern.

Hinzu kommt, dass hier mehrere sehr gute Vorschläge aus dem Parlament nicht berücksichtigt worden sind. Dabei handelt es sich um Vorschläge, die Einsparungen bringen würden, ohne Behandlungsqualität und Therapiefreiheit zu gefährden.

Auf diese Probleme angesprochen, erwidern einzelne Mitglieder der Expertengruppe, es sei weder ihr Auftrag gewesen, kohärente, zusammenpassende Vorschläge zu erarbeiten noch einen systematischen Revisionsvorschlag für das schweizerische Gesundheitswesen vorzulegen. Dafür habe auch die zur Verfügung stehende Zeit nicht gereicht.

Erneute Pflästerlipolitik

Somit besteht nun die Gefahr, dass ein weiteres Mal viel Aufwand für eine Revision betrieben wird, die schlussendlich als «Flickenteppich» im politischen Prozess auseinanderbricht und scheitert. Dabei fühlt man sich zurückversetzt ins Jahr 2009, in welchem der Bundesrat ein ähnliches Massnahmenpaket zur Dämpfung der Gesundheitskosten vorlegte und damit im Parlament scheiterte. Damals war in den Medien von «Pflästerlipolitik» die Rede.

Es braucht nun dringend ein funktionierendes Massnahmenpaket. Was müsste getan werden? Ein erfolgversprechendes Sparpaket müsste im Dialog mit den Akteuren des Gesundheitswesens erarbeitet werden, um damit bestmögliche Akzeptanz für Massnahmen zu schaffen. In früheren Jahren auf diesem Weg erarbeitete Massnahmen im Arzneimittelbereich erzielen noch heute einen Spareffekt – das funktioniert also.

Entscheidend wäre ausserdem, kein Sammelsurium an Massnahmen zur Umsetzung zu bringen, sondern Parlament und Akteure von einem systematischen Reformplan zu überzeugen. Die Stichworte hierzu heissen: Fehlanreize, Ineffizienz, Mengenausweitungen, fehlender Qualitätswettbewerb. Hier müssen Massnahmen ansetzen, hier kann massiv Geld eingespart werden, ohne dass Rationierungsmassnahmen zum Nachteil der Patienten nötig sind.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Krankenversicherungsgesetz (KVG), welches die Grundlage unseres Gesundheitswesens bildet, deutlich besser ist als sein Ruf und eigentlich viele Lösungen bieten würde. Und statt vorschnell zu revidieren, sollte es nun endlich richtig umgesetzt werden. Aber auch dafür bräuchte es Massnahmen.

Ein Beispiel: Für die Beurteilung von Leistungen nennt das KVG drei Kriterien: Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit, mit anderen Worten sollen mit Prämienmitteln nur Leistungen finanziert werden, bei denen das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt. Über 20 Jahre nach Inkrafttreten des KVGs fehlt es hier aber nach wie vor an einer «Gebrauchsanweisung» sprich Operationalisierung dieser Grundsätze, womit diese wichtigen Regeln nach wie vor nicht einheitlich und transparent zur Einsparung von Kosten eingesetzt werden können. Ein hierzu vom Bundesamt für Gesundheit im Jahr 2011 erstellter erster Entwurf ist seither bedauerlicherweise nicht mehr weiter bearbeitet worden.

Fehlanreize eliminieren

Neben der richtigen Anwendung des KVGs ist es nun dringend an der Zeit, durch weitere Massnahmen Fehlanreize zu eliminieren und durch richtige Anreize zu ersetzen: Unnötige Leistungen sollen künftig nicht mehr aus Prämienmitteln finanziert werden, kosten- und qualitätsbewusstes Verhalten soll belohnt, Qualitätswettbewerb und Transparenz gefördert, Ineffizienz und Mengenausweitungen bekämpft werden.

Wie weiter? Es braucht nun einen überzeugenden Reformplan für unser Gesundheitswesen. Hierzu muss man zunächst eine «Reform-Landkarte» erstellen und in der Folge die notwendigen Reformen Thema für Thema angehen und gleichzeitig Überzeugungsarbeit leisten. Dabei ist jeweils zuerst zu prüfen, wo Probleme durch die richtige Anwendung des KVGs gelöst werden können.

Die nun vorgelegten Massnahmen könnten teilweise in eine solche Reform eingearbeitet werden. Das ist eine anstrengende und aufwendige Arbeit, aber der einzige erfolgversprechende Weg für eine nachhaltige Reform unseres Gesundheitswesens. Und je länger sie nicht an die Hand genommen wird, umso weiter werden die Gesundheitskosten unkontrolliert steigen.

Andreas Faller ist Rechtsanwalt und Berater im Gesundheitswesen, Geschäftsführer Bündnis Freiheitliches Gesundheitswesen.

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https://3-min.info/2018/04/09/viele-pflaster-aber-kein-wirksames-rezept-im-gesundheitswesen/feed/ 0 10580
Generika: Santésuisse und Preisüberwacher erwachet! https://3-min.info/2018/03/05/generika-santesuisse-und-preisueberwacher-erwachet/ https://3-min.info/2018/03/05/generika-santesuisse-und-preisueberwacher-erwachet/#respond Mon, 05 Mar 2018 09:39:06 +0000 https://www.3-min.info/3min/?p=10012 Santésuisse und Preisüberwacher posaunen seit Jahren immer wieder dasselbe: Generika seien in der Schweiz mindestens doppelt so teuer wie im Ausland. Man könne hundaerte von Millionen damit einsparen. Der Rede ist von «Fr. 388 bis 808 Mio» (Präsentation Santésuisse, Verena Nold, Folie 11, vom 06.04.2017)   Und was machen die Medien? Sie übernehmen die Pressemitteilungen ohne auch nur einmal die ihnen vorgesetzten Zahlen und Behauptungen unter die Lupe zu nehmen, sie zu hinterfragen und die einzelnen Faktoren nach ihrer Plausibilität zu überprüfen.

Fakt ist: Schweizer Löhne, Schweizer Mieten, Schweizer Versicherungen, Schweizer Dienstleistungen etc.  sind höher als im Ausland. Siehe dazu die Beiträge in 3-min.info «M wie Marge – Migros und Coop für mich und für dich» vom 4. März 2017 sowie «Die Illusionen von Santésuisse und Preisüberwacher» vom 3. März 2017. Diese Komponenten müssen beim Vergleich der Preise gebührend berücksichtigt werden. Alles andere ist unredlich und reine Effekthascherei.

Auch die Komplexität der Schweiz muss bei einem Vergleich einbezogen werden. Wir haben drei Landessprachen, in welche die Packungstexte und Publikationen auf allen Ebenen – an Ärzte, Apotheker und Publikum – übersetzt und den Zulassungsbehörden unterbreitet werden müssen.

Das Volumen des Marktes ist ein weiterer bedeutender Faktor. Deutschland hat zehn Mal mehr Einwohner als die Schweiz! Das hat einen grossen Einfluss auf die Produktionskosten. Dasselbe gilt für die Registrierung. Die Kosten für das Erstellen eines Registrierungsdossiers eines Generikaproduktes für die Schweiz (8.5 Mio. Einwohner) sind etwa gleich hoch wie für ein entsprechendes EU-Dossier (die EU zählt über 500 Mio. Einwohner).

Gemäss den Träumen von Santésuisse, Preisüberwacher und den (zum Teil selbsternannten) Experten des Berichtes «Kostendämpfungsmassnahmen zur Entlastung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung» kann man mit den Einsparungen bei den Medikamenten (ein Viertel der Vorschläge betreffen diesem Bereich) praktisch den Kostenanstieg in den Griff bekommen und damit unser Gesundheitssystem retten.

Mit realen Verhältnissen und harten Fakten hat das nichts zu tun. Die internationalen operierenden Pharmaunternehmen Novartis, Teva und Sanofi künden zum Teil dramatische Massnahmen im Bereich Generika an:

  • Novartis will sich laut einem Artikel von Reuters vom USA-Generikageschäft trennen. Grund: signifikante Preiserosionen und steigende Kosten bei den Generika.
  • Teva (weltweit die Nr. 1 bei den Generika) hat Anfang Jahr angekündigt, 25% der Mitarbeiter zu entlassen und Fabriken und Niederlassungen zu schliessen. Grund: Preiserosionen machen die Produktion etlicher Produkte zum Verlustgeschäft. Solche Produkte werden ersatzlos gestrichen. Bei anderen will der neue CEO Preiserhöhungen durchsetzen. Herr Preisüberwacher, Sie lesen richtig: Preiserhöhungen! Wer sie nicht akzeptiert, bekommt das Produkt nicht mehr. Das sind die Fakten.
  • Sanofi liess im Februar verlauten, das Unternehmen werde sich von den Generika trennen. Offensichtlich rentiert das Geschäft zu wenig. Recherchen von IFAK zum Verkauf der Sanofi Generika (Zentiva) haben ergeben, dass neben Private Equity Funds auch indische Firmen ein Interesse bekunden. Schweizer Versicherte sollten hoffen, dass das Geschäft europäisch bleibt.

Diese drei Mitteilungen sind kein Zufall, und sie kommen zeitgleich. Im Generikasektor hat sich in den letzten Jahren einiges bewegt. Der Preisdruck hat die Schmerzgrenze erreicht. Die Grossen der Pharma steigen aus, denn sie verdienen nichts mehr. Beziehungsweise nicht genug, um die westlichen Qualitätsstandards und die geforderte Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Da sie ihre Reputation nicht aufs Spiel setzen wollen, blasen sie den Rückzug.

Interessant ist die Frage, wer Novartis und Sanofi die abgestossenen Sparten abkaufen wird. Laut Recherchen von IFAK stehen indische und chinesische Pharmaunternehmen beim Kauf an vorderster Front. Weshalb? In diesen Ländern sind die Löhne im Vergleich zur Schweiz Hungerlöhne. Und wie steht es mit der Qualität? Laut FDA gibt es gravierende Qualitätsprobleme mit indischen Herstellern.

Auch in China hat die FDA gravierende Mängel festgestellt. Daten wurden gelöscht, Qualitätsberichte gefälscht.

Santésuisse, Preisüberwacher, Experten, BAG und Bundesrat, hört auf zu träumen! Generika sind in der Schweiz vielleicht teurer als im Ausland, dafür haben wir (noch) eine hochstehende Qualität und eine gesicherte Versorgung. Diese Faktoren sollten höher gewichtet werden als die illusorische Einsparung mit einem Festbetragssystem und als Pseudovergleiche mit dem Ausland bei den Generika. Es gibt sicherlich auch in Indien und China hochstehende Qualität und moderne Fabriken, die unseren Qualitätsstandards entsprechen. Neben solchen Vorzeigeobjekten sieht jedoch die Realität anders aus:

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