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Im besagten Artikel wird eine Graphik gezeigt, wo sich die Schweiz mit 23 Prozent Generikaanteil an letzter Stelle befindet. Es wird aber nicht erwähnt, dass es sich dabei um keine standardisierte Statistik der OECD handelt, so dass deren Vergleichbarkeit nicht a priori gegeben ist. In ihren Publikationen weist die OECD selbst auf diese Problematik auch immer wieder hin.
Um dies auf einfache Weise zu veranschaulichen, was das bedeutet, kann man den Vergleich der täglichen Covid-19 Ansteckungen der Schweiz und Deutschland nehmen. Deutschland verzeichnet am 2. Oktober 2’673 neue Ansteckungen, die Schweiz 552. Wie gut wir Schweizer doch sind!
Bei diesem Vergleich würde wohl fast keiner reinfallen, weil klar ist, dass es in Deutschland ca. 10-mal mehr Einwohner hat und das Ganze dadurch relativiert wird. Aber auch diese Zahlen lassen sich nicht direkt vergleichen, weil auch die Anzahl Tests, welche in beiden Ländern gemacht werden, auf einen Vergleich Einfluss haben.
Man sieht an diesem Beispiel gut, dass es nicht einfach ist, Zahlen zu vergleichen, wenn die Voraussetzungen der Basis, etc. nicht gleich und standardisiert sind. Die Grafik von santésuisse ist im übertragenen Sinn wie eine Grafik, die die beiden Zahlen 2‘673 und 552 gegenüberstellen und vergleichen würde.
Die Voraussetzungen zwischen den einzelnen Ländern im Generikavergleich sind ungleich komplexer und widersprüchlich. In den verglichenen Ländern gibt es verschiedene Generikadefinitionen, unterschiedliche Abgrenzungen, differenzierte referenzierte Märkte, andere Messkonzepte, unterschiedliche Anteile des Generika fähigen Marktes, etc.
Auf das ewige Gejammer über die doppelt so hohen Preise in der Schweiz gegenüber Deutschland wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst eingehen. Nur eines sei hier angemerkt: Herr Brand verdient in der Schweiz sicher doppelt so viel wie sein Amtskollege in Deutschland. Auch das zahlt der Prämienzahler.
Weiter geht es dann aber auch im Artikel mit der Manipulation: „Für viele patentabgelaufene Arzneimittel stehen seit Jahren Generika mit einem identischen Wirkstoff zur Verfügung. So ist beispielsweise der schmerzlindernde Wirkstoff Paracetamol sowohl im teuren Dafalgan als auch im wesentlich kostengünstigeren «Paracetamol Sandoz» enthalten. Durch den konsequenten Einsatz von Generika könnten pro Jahr mehrere Millionen Franken eingespart werden – ohne Qualitätseinbussen.“
Es wird hier nicht der Vergleich zwischen einem patentabgelaufenen Arzneimittel und einem Generikum gemacht, sondern einer zwischen zweie Generika. Schaut man sich die Sache noch etwas genauer an, ist der Sachverhalt folgendermassen:
Für die kleinste Packung Dafalgan 1 Gramm Tabletten bezahlt man 7.20 Franken, für die Packung Paracetamol Sandoz 7.65 Franken. Nach dem Muster von santésuisse, müssten wir dem Leser jetzt unterschlagen, dass es sich beim Dafalgan um eine 16er Packung und bei Sandoz um eine 20er Packung handelt. Berücksichtigt man das, kostet die einzelne Tablette 0.45 Franken für Dafalgan, bzw. 0.385 Franken für die Sandoz Tablette. Wobei es sich beim Dafalgan um eine Filmtablette handelt, welche wesentliche Vorteile hat, also eigentlich nicht direkt vergleichbar wäre. Genau genommen kommt es die Versicherungen sogar noch günstiger, da ja Packungsweise verkauft wird und die Dafalgan Packung günstiger ist.
Um beim Dafalgan zu bleiben: Ob es sinnvoll ist, den vom Staat festzulegenden Preis, für eine Packung Schmerzmittel Dafalgan 500 mg, auf 2.45 Franken vorzuschrieben (also Billiger als eine Packung Ricola!), ist eine andere Geschichte.
Für uns ist klar: wenn man mit manipulativen Argumenten einen Systemwechsel zum Referenzpreis erzeugen will, hat man scheinbar keine guten Argumente – weil es für die Schweiz dafür keine Argumente gibt.
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]]>Constella® ist zurzeit in der Schweiz nicht lieferbar. Bis auf Weiteres. Und ist damit in bester Gesellschaft mit rund 600 anderen Produkten, die sich auf der Liste der Medikamente mit Versorgungsengpässen befinden (www.drugshortage.ch / Stand 25.09.2019)
Eine Situation, die es so gar nicht gibt. So Berset und santésuisse. Gemäss ihnen haben nämlich die politischen Sparmassnahmen bei den Medikamenten, etwa der permanente Preisdruck auf die tiefpreisigen Medikamente, keinerlei Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit.
Eine Situation, die aber in Tat und Wahrheit alltäglich ist – hier und heute, bei uns, in der Schweiz! Man braucht keine Glaskugel, um zu erahnen was passieren wird, wenn nun der Bundesrat und die Politiker das Referenzpreissystem einführen. 3-min.info hat schon unzählige Male darüber berichtet.
Zurück zu Constella® und zu jenen, die unter den direkten Auswirkungen dieses Lieferengpasses leiden: die Patientinnen und Patienten. Als wären sie mit ihren Beschwerden nicht schon genug gestraft. Es muss für sie eine Alternative her, um die Zeit des Engpasses zu überbrücken. In der Schweiz gibt es kein wirkstoffgleiches Medikament. In Deutschland ist Linaclotidum erhätlich – und auch LIEFERBAR.
Wer jetzt denkt, dies sei des Problems Lösung, der irrt sich. Denn hier geht das Problem erst richtig weiter. Die Krankenkasse (im aktuellen Fall die KPT), will für die Kosten des Deutschen Alternativproduktes nicht aufkommen! Dafür muss der Patient nun selbst in die Tasche greifen. Und dies kommt ihn teuer zu stehen. Eine Kapsel Constella® kostet in der Schweiz im Einkauf CHF 1.88. In Deutschland kostet eine Kapsel CHF 2.43.
Aber auch das, eine Situation die es so gar nicht gibt. So Berset und santésuisse. Medikamente sind im Ausland immer viel günstiger. Sagen sie.
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]]>Wenn man sich die in der Studie publizierten Tabellen anschaut, sind die Preise in der Schweiz überall höher als im Vergleich zu Europa: Die Kosten für Bildung und Spital sind in der Schweiz mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der EU-Länder. Das Fleisch ist doppelt so teuer und auch Milchprodukte sind rund 60 Prozent teurer als in unseren Nachbarländern.
Bundesrat, Preisüberwacher und die Damen und Herren von santésuissse, bitte lesen Sie die Studie und schauen Sie sich die Parallelen zum Medikamenten-Markt an. Es sind also nicht einfach die bösen Apotheker, welche zu hohe Margen absahnen und deshalb für die hohen Medikamentenkosten verantwortlich gemacht werden können.
Heinz Brand, VR-Präsident von santésuisse, wirft den Apothekern zu hohe Verdienste vor, santésuisse macht immer wieder unzulässige Margenvergleiche und der Preisüberwacher sieht in seiner letzten Medienmitteilung die grössten Kostentreiber beim Preis! Nein, so ist es eben nicht. Herr Meierhans, Kosten sind immer Menge mal Preis.
Wir müssen uns den Rahmenbedingungen bewusst sein und wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir die gesamte Schweiz umkrempeln. Einfach bei den Apothekern die Marge reduzieren bei den vom Staat festgelegten Medikamentenpreisen, ist ganz bestimmt der falsche Weg. Mit Hetzjagd auf Einzelne wurden noch nie gute und nachhaltige Lösungen gefunden und Partner haben keine Möglichkeit, Spielräume für solche zu schaffen.
Die Infrastruktur der Apotheken zu zerstören, um damit das Problem der hohen Gesundheitskosten in der Schweiz zu lösen, ist, wie wenn man das Plastik-Problem in den Weltmeeren lösen will, indem man Plastik-Trinkhalme verbietet.
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]]>So monierte santésuisse jüngst auch, dass die Marge für den Grosshandel in Deutschland nur 3,15 Prozent betrage.
Das Ganze toppt sie noch mit der Falschaussage: Die Transportkosten seien in den letzten Jahren eher gesunken als gestiegen.
(3-min.info berichtete über diesen Artikel bereits im Beitrag vom 20.11.2018)
Die Logistikkosten hierzulande fallen zu Schweizer Löhnen, mit Schweizer Infrastruktur und unter Schweizer Gesetzen und Regulierungen an.
Der Vergleich mit dem Ausland ist Äpfel mit Birnen verglichen.
Und die Aussage, dass die Transportkosten gesunken seien, ist absolut falsch. Das Gegenteil ist richtig: Allein die neuen Leitlinien der guten Vertriebspraxis (Good Distribution Practice, GDP) verursachen für die Grossisten hohe Investitionskosten für den Transport, zusätzlich haben die Staus auf den Autobahnen zugenommen. Dies verursacht Zeitverlust und mehr Touren, damit die Medikamente rechtzeitig ankommen.
Wir schlagen auch nicht breit, dass die Verwaltungskosten der Krankenversicherungen in Dänemark mit nur 1,5 Prozent zu Buche schlagen, während diese Kosten in der Schweiz bei vier bis sechs Prozent liegen.
Recht hat der Comparis-Kommunikationschef Felix Schneuwly, wenn er sagt: «Die Krankenversicherungen können nicht nur mit dem Finger auf die anderen zeigen, sondern müssen auch bei sich haushälterisch mit dem Geld umgehen».
Liebe santésuisse, wann hört ihr endlich mit diesen unzulässigen Auslandpreisvergleichen auf und setzt euch mit den Leistungserbringern für konstruktive Gespräche und Lösungsfindungen an einen Tisch?
]]>Egal ob es um Generika, Margen oder Leistungen im Gesundheitswesen geht: Schuld ist immer einer der Leistungserbringer, weil dasselbe im Ausland ja viel günstiger zu erhalten sei.
Das BAG, der Preisüberwacher und auch der Bundesrat stossen ins gleiche Horn.
Sind sich diese Prediger wohl bewusst, dass im immer wieder gerne zitierten Ausland alle Lohnempfänger – auch die Beamten – nur einen Bruchteil dessen verdienen, was sie erhalten?
Einen Preisüberwacher auf Staatskosten sparen sich die meisten Länder übrigens gänzlich. Wie die Handelszeitung kürzlich zeigte, verdient beispielsweise Gesundheitsminister Alain Berset mehr als doppelt so viel als der französische Präsident Emmanuel Macron.

Wer Auslandspreisvergleiche heranzieht, sollte zuerst vor der eigenen Türe kehren. Wenn die Damen und Herren der Regierung die Margen senken wollen, dann bitte überall und bei allen, die Geld kosten. Mit Auslandpreisvergleichen kann man dem Problem der Kostenexplosion im Gesundheitswesen ganz sicher nicht entgegenwirken – auch wenn man es gebetsmühlenartig immer wieder wiederholt. Amen.
]]>Die Krankenkassenverbände nahmen das Thema sofort auf, prangerten die Ärzteeinkommen in den sozialen Medien an und machten sie zu einem der Gründe für die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen.

Wenn man im Glashaus sitzt, sollte man nicht mit Steinen werfen. Wer aber in der heutigen Zeit einen Tweet wie diesen absetzt, der begibt sich auf hauchdünnes Eis.
Man könnte ja auch sagen:
„Die Bevölkerung in Spanien und Italien geniesst den gleichen Versicherungsschutz zu halb so hohen Kosten. Unsere teils extrem hohen Cheflöhne (das doppelte eines Bundesrates) der Krankenversicherungen lassen grüssen.“
Liebe santésuisse, wann hört ihr endlich mit den leidigen Auslandpreisvergleichen auf? Ihr kassiert eure Gehälter auch auf Schweizer Niveau.
]]>«Medikamente: hohe Mehrkosten wegen fehlender Preisüberprüfung. Das BAG hat die regelmässige Preisüberprüfung der Medikamente nach einem dreijährigen Unterbruch erst per Ende 2017 wieder aufgenommen. Die fehlende Preisüberprüfung schlug sich im Anstieg der Medikamentenkosten pro Kopf um 4,6 Prozent (Vorjahr +5,4 Prozent) nieder. Dank der regelmässigen Überprüfung der Medikamente, die in den Jahren 2013 bis 2015 vorgenommen wurde, blieben diese Ausgaben konstant. Danach war wiederum ein starker Anstieg zu verzeichnen.»
Dazu präsentiert santésuisse diese Grafik:

Wie eine nicht vorgenommene Preisüberprüfung, sprich Preissenkung, für die Preiserhöhung bei den Medikamenten verantwortlich sein soll, ist schleierhaft.
Tatsache ist, dass im tiefen Preissegment keine Preiserhöhung stattgefunden hat.
Tatsache ist, dass in der Klasse der preiswertesten Medikamente (unter CHF 15.00), der Wert zu ex-factory von 2016 auf 2017 um 3.2 Mio. CHF, also 0.65 % zurück gegangen ist.
Tatsache ist, dass in der Klasse der teuersten Medikamente (über CHF 2’570.00), der Wert zu ex-facotry von 2016 auf 2017 um 58.7 Mio. CHF, also um 10.25% gestiegen ist.
Wie kann ein seriöser Verband solche Tatsachen einfach ignorieren und Behauptungen in den Raum setzen, die jegliche Zusammenhänge zur gesetzten Behauptung vermissen lassen?
Unsere Zahlen sind aus einer Präsentation von IQVIA von Juni 2018, welche auszugsweise im Anhang wiedergegeben sind
]]>Viel ist derzeit von überhöhten Medikamentenpreisen und Vertriebsmargen die Rede. Laut Pius Gyger sind Auslandwerte für die Abgeltung der administrierten Medikamentenmargen ökonomischer Unsinn.
Gesundheitsleistungen in der Grundversicherung werden entweder nach staatlich bewilligungspflichtigen Tarifen oder staatlich festgelegten Preisen vergütet. Diese sollen so festgelegt werden, dass eine gute Gesundheitsversorgung gesichert und gleichzeitig effizient erbracht wird. Was das Effizienzziel betrifft, werden bei der Festsetzung hilfsweise Verfahren hinzugezogen, die einen funktionierenden Wettbewerb simulieren.
Medikamentenpreise sind länderübergreifend vergleichbar
Bei Originalmedikamenten werden beispielsweise Auslandspreisvergleiche angestellt, auf deren Basis die Preise in der Schweiz verhandelt werden. Der Grundgedanke ist einfach: Die Wertschöpfung der Produktion findet zwar im jeweiligen Herstellerland statt, Medikamente sind aber international handelbar und deshalb sind die Preise identischer Produkte auch länderübergreifend vergleichbar.
Bei Arztleistungen finden Auslandvergleiche keine Anwendung
Bei den übrigen Dienstleistungen im Gesundheitswesen findet das Instrument des Auslandvergleichs keine Anwendung. So zum Beispiel bei den Arzttarifen, Spitaltarifen, Physiotherapietarifen bis zur Abgeltung der Chiropraktiker und Ernährungsberater.
Das hat seine Gründe. Die Dienstleistungen sind international nicht handelbar, weil sie vor Ort – also in der Schweiz – erbracht werden müssen. Die Wertschöpfung erfolgt zwingend im Inland. Es gibt also keinen wirksamen Wettbewerbsdruck aus dem Ausland. Aus diesem Grund ist auch noch niemand ernsthaft auf die Idee gekommen, die Spital- oder Arzttarife in der Schweiz auf Basis von Auslandtarifen herzuleiten.
Ökonomie der Vergleiche mit dem Ausland
Dasselbe gilt für den Vertrieb und die Abgabe von Medikamenten. Die Lieferung an Apotheken und Arztpraxen bis zur Beratung und Abgabe findet zwangsläufig in der Schweiz statt. Diese Leistungen sind also international nicht handelbar, ja sie müssen unter Bedingungen in der Schweiz erbracht werden.
Die Patienten werden wohnortsnah versorgt, die Wertschöpfung erfolgt vollumfänglich im Inland. Entgelte auf international nicht handelbare, zwangsläufig vor Ort zu erbringende Dienstleistungen auf Basis internationaler Werte fehlt daher jegliche ökonomische Logik und wäre daher regulatorischer Unsinn.
Vom Preisüberwacher befeuert
Die gegenwärtigen Diskussionen um die Medikamentenmargen werden nicht zuletzt befeuert von den Versicherern und dem Preisüberwacher. Sie weisen regelmässig auf die hohen Margen im internationalen Vergleich hin. Und sie ignorieren die Tatsache, dass Abgeltungen gemäss gesetzlichen Grundlagen die effiziente und qualitativ hochstehende Versorgung in der Schweiz sicherstellen muss.
Nicht zuletzt auf Basis dieser regelmässigen Skandalisierungen macht sich das Eidgenössische Departement des Innern nun daran, die Medikamentenmargen neu festzulegen. Und zwar mit Sparzielen, wie die Versicherer und der Preisüberwacher das fordern.
Fazit
Auslandwerte für die Abgeltung der administrierten Medikamentenmargen für die Vertriebs- und Versorgungsleistungen heranzuziehen, ist ökonomischer Unsinn. Mit Medikamentenmargen wie im Ausland könnte der Medikamentenvertrieb von Grossisten bis zu Apotheken und Ärzten auf keinen Fall geleistet werden. Bleibt zu hoffen, dass das Eidgenössische Departement des Innern sich nicht durch einzelne Akteure im Gesundheitswesen irreführen lässt, die unabhängig der Leistungen eine reine Sparpolitik betreiben wollen.
IFAK und 3-min.info weisen schon seit Jahren darauf hin, dass der staatliche Preisdruck unverantwortlich ist, weil dadurch die Wirtschaftlichkeit tiefpreisiger Medikamente – und dazu gehören fast zwei Drittel der Packungen, die über die obligatorische Krankenkasse abgerechnet werden! – untergraben wird. Medikamente verschwinden vom Markt, und es gibt immer mehr Wirkstoffe nur noch von einem einzigen Hersteller. Fällt dieser aus, muss bei Tausenden von Patienten die Therapie angepasst werden. Sie müssen auf andere Wirkstoffe umstellen, was eine enge medizinische und pharmazeutische Begleitung mit einer Vielzahl von zusätzlichen Arztbesuchen und grossem Recherchenaufwand bei den Apothekern bedingt. Ganz abgesehen von der hohen Verunsicherung, die solche durch Lieferlücken provozierte Therapieänderungen bei den Patienten verursacht!
«Spitäler schlagen Alarm» heisst es in der Schweiz am Wochenende vom 17. Juni. In einem breit angelegten Artikel werden die Hintergründe der Engpässe aufgezeigt. Kompliment dem Journalisten, der sich offensichtlich mit dem Thema auseinandergesetzt hat! Auch er kommt zum Schluss, dass der Ursprung der Lieferengpässe in vielen Fällen bei der ungenügenden Rentabilität durch den massiven staatlichen Preisdruck zu suchen ist.
Als weiteren Faktor nennt er Naturkatastrophen. Hurrikan Maria zum Beispiel hinterliess vergangenen September auf der Karibikinsel Puerto Rico grosse Schäden. So auch an den dort angesiedelten rund 50 Pharmawerken. Sie konnten nicht mehr produzieren, es kam zu einschneidenden Versorgungslücken in den USA. Ähnliches passierte 2016, als in China ein Werk explodierte, das als einziges auf der ganzen Welt ein bestimmtes Antibiotikum herstellt. Es belieferte zwar mehrere Pharmafirmen, aber das nützt wenig, wenn sie alle auf einen einzigen Hersteller angewiesen sind. Die Auswirkungen waren auch in der Schweiz spürbar.
Naturkatastrophen sind jedoch nur vordergründig ein zusätzlicher Grund für Lieferengpässe. Warum wohl gibt es für immer mehr Wirkstoffe weltweit nur noch ein einziges Werk, und warum wohl stehen diese Werke in Ländern mit tiefen Lohnkosten? Weil die Produktion nur noch so einigermassen wirtschaftlich aufrecht erhalten werden kann.
Und was macht der Bund? Er stockt Pflichtlager auf und zwingt die Pharmafirmen, Listen von Medikamenten, deren Lieferung gefährdet sein könnte, zu führen. Einmal mehr wird das Pferd am Schwanz aufgezäumt. Wie sinnvoll Pflichtlager sind, wissen wir spätestens seit der Vogel- und Schweinegrippepanik, als der Bund Tamiflu und Grippeimpfstoff bunkerte, die zwei Jahre später, weil abgelaufen, zum millionenteuren Abfall wurden! Hören wir auf mit dieser nutzlosen Bürokratie! Schluss mit der Billigstpreispolitik! Diese kurzsichtige Politik gefährdet die Gesundheit der Patienten und provoziert Millionen an zusätzlichen Kosten durch Therapieumstellungen, aufwendige Recherchen und erzwungene Wechsel auf andere, meist teurere Medikamente.
Medikamente müssen einen fairen Preis haben, dann klappt es auch mit der Versorgungssicherheit. Es ist unsinnig und verantwortungslos, bei den tiefpreisigen Medikamenten weiterhin auf den Preis zu drücken. 63,8% aller den Krankenkassen belasteten Medikamentenpackungen kosten weniger als 15.00 Franken. Ihr Durchschnittspreis liegt bei 5 Franken 60 (!) und sie machen nur gerade 10,2% der gesamten Kosten aus! Und ausgerechnet da wollen Preisüberwacher, Santésuisse und der Gesundheitsminister die Preise weiter nach unten drücken.
Der Tiefstpreiswahnsinn ist eine billige populistische PR-Masche. Es wäre schön, wenn die Erkenntnis, dass Tiefstpreise Lieferengpässe und Lieferausfälle fördern und dadurch Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden, sich endlich durchsetzen würde. Wenn die Damen und Herren schon bei den Medikamentenpreisen bleiben wollen, dann sollten sie dort ansetzen, wo die Pharmaindustrie zunehmend hemmungslos zugreift: bei den «seltenen Krankheiten», deren Behandlung für jeden einzelnen Fall hohe sechsstellige Beträge kostet. 0.1% der Packungen in diesem Bereich verschlingen schon heute 12.8% der Medikamentenkosten. Tendenz steigend!
https://www.schweizamwochenende.ch/
22. Juni 2018
Foto © alisseja Fotolia.com
]]>Toll, denkt sich der preisbewusste Konsument. Was für ein super Laden, diese Coop Vitality. Der Fachmann allerdings wundert sich. Kein Wort davon in der Coop-Zeitung, dass die Preissenkung nicht etwa eine kundenfreundliche Aktion aus dem Hause Coop ist, sondern eine vom BAG diktierte Preissenkung, die alle Apotheken übernehmen müssen. Unverfroren suggeriert die Marketingabteilung den Lesern, Imodium sei bei Coop Vitality günstiger als anderswo.
Noch stossender ist allerdings die Tatsache, dass man beim Bund offensichtlich jegliche Relationen verloren hat. Man findet es in den Berner Beamtenstuben normal, dass ein Medikament weniger kostet, als ein simples Haushaltprodukt, für das es weder eine meterdicke wissenschaftliche Dokumentation noch eine Bewilligung für jedes Komma im Beipackzettel noch die Beratung einer Fachperson braucht, schon gar nicht einer Fachperson mit Universitätsabschluss.
Zur Illustration, wie absurd inzwischen die Preisgestaltung bei den Medikamenten geworden ist, hier der Preisvergleich mit einigen Alltagsprodukten (Preise von Coop):
Äxgüsi, aber da stimmen die Relationen nicht mehr.
12. Mai 2018
Foto © santa43 Dotolia.com
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