Die Originalhersteller ziehen nach. Auf 1. Juli 2006 senken sie ihre Preise auf patentabgelaufenen Präparaten um bis zu 50%. Das bringt Generika-Hersteller in Zugzwang. Da ihre Produkte 15 bis 30% billiger sein müssen als das Original, sehen sie sich gezwungen, ihre Preise ebenfalls zu senken. Beim BAG wird frohlockt. Ob der Preiskampf allerdings längerfristig Anlass zur reinen Freude gibt, ist eine Überlegung wert.
«Es wird in den nächsten Monaten zu weiteren Preissenkungen kommen», lässt sich Reinhard Kämpf vom Bundesamt für Gesundheit in der SonntagsZeitung vom 4. Juni 2006 zitieren. «Das ursprüngliche Sparziel von 250 Millionen werden wir bei weitem übertreffen», freut er sich. Die Konjunkturforschungsstelle KOF rechnet mit Einsparungen von 450 Millionen Franken für das Jahr 2006. Der Anstieg der Gesundheitskosten werde damit um rund 15% gedämpft.
So weit so gut. Ziel erreicht. Die Preise stürzen ab. Aber wie geht es weiter? Zum Beispiel mit dem differenzierten Selbstbehalt? Die Originalhersteller erwirkten Gleichbehandlung beim Selbstbehalt, wenn sie die Preise ihrer patentabgelaufenen Medikamente auf jene der Generika senken. Das wurde ihnen von Bundesrat Pascal Couchepin zugestanden. Das haben sie jetzt getan. Wie verhält es sich aber nun mit der ursprünglichen Absicht, die Patienten anzuhalten, die billigeren Generika zu wählen, falls verfügbar? Und diese müssen ja, gemäss dem Abkommen mit dem differenzierten Selbstbehalt, mindestens 15 bis 30% billiger sein als das Original, um in den Genuss des weiterhin tiefen Selbstbehalts von 10% zu kommen. Muss dann plötzlich für die Originale doch wieder der höhere Selbstbehalt von 20% bezahlt werden, obwohl sie viel billiger geworden sind?
Fazit: Schnellschüsse sind meistens Schrotladungen, man weiss nie, wo genau sie überall einschlagen. Man mag den Preiskampf begrüssen. Aber er ist spätestens nach der nächsten Abwärtsspirale ruinös und könnte den einen oder anderen Generikahersteller die Existenz kosten. Wollen wir das? Abgesehen davon kann man sich auch fragen, ob billige Medikamente auch wirklich zu einem vernünftigeren Umgang damit führt. Was nichts kostet, ist bekanntlich nichts wert!
6. Juni 2006

