Es gibt ca. 4000 Hors-Liste-Medikamente in der Schweiz, also solche, die in der Grundversicherung von der Leistungspflicht der Krankenkassen ausgeschlossen sind. Einen staatlich festgesetzten Höchstpreis gibt für diese Produkte demnach nicht. Dass die Hersteller dieser Produkte Preisempfehlungen herausgeben, stört die WEKO. In unterschiedlichem Masse allerdings. Den Herren der Kommission stossen vor allem die überall praktisch identischen Preise von Viagra, Levitra und Cialis auf. Rein geschäftlich, versteht sich.
«Da eine grosse Mehrheit der Apotheker/innen diese Preisempfehlungen [der Herstellerfirmen] einhält, sind die Preise für die Konsumenten fast überall gleich hoch. Dies könnte eine erhebliche Beeinträchtigung bzw. Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs darstellen.» Dies ein Auszug aus einer Pressemitteilung vom 26. Juni 2006 (http://www.evd.admin.ch/evd/news/04190/index.html?lang=de).
Aktiv werden will die WEKO aber nur bei drei Präparaten gegen erektile Dysfunktion. Sie leitete eine Untersuchung gegen Pfizer (Viagra), Bayer (Levitra) und Eli Lilly (Cialis) ein. Ebenfalls betroffen von der Untersuchung sind Apothekerinnen und Apotheker, SD-Ärzte, Grossisten und e-mediat als Unternehmen, das die Preise veröffentlicht.
Rechnen oder beraten?
Nun, wir sind uns amtlichen Feuereifer gewohnt. Wir haben uns auch darein geschickt, mit unseren Steuergeldern Leute zu finanzieren, die uns selbige Steuerzahler als ihre Widersacher begreifen. Aber ein paar Bemerkungen zu diesem Vorstoss müssen dennoch sein.
Warum stören sich die Herren der WEKO ausgerechnet an den Preisen der Potenzmittel? Hoffen sie, dass sie mit diesem Beispiel mehr mediale Aufmerksamkeit erhalten, als wenn sie sich auf andere Produkte konzentrierten? (Eigene Betroffenheit wollen wir jetzt einmal ausschliessen.)
Was genau soll das Ziel der Untersuchung sein? Dass sich die Apotheker absprechen, wer wo einen Franken auf- oder abrundet? Aber Achtung, gratis wird es nicht. Auch Apotheker leben von ihrer Marge. Ganz abgesehen davon: Potenzmittel sind begehrte Produkte. Höchste Zeit, die Preise dafür zu erhöhen. Danke für den Hinweis.
Ausserdem, was ist so schlimm an einem unverbindlichen Richtpreis? Glauben die WEKO-Kommissäre allen Ernstes, jeder Apotheker könne für Tausende von Produkten täglich den aktuellen Marktpreis ausrechnen? Das mag in Amtsstuben, in denen selten über die finanziellen Konsequenzen des eigenen Handelns nachgedacht wird, vielleicht plausibel klingen. In der Praxis ist das weltfremd. Ganz abgesehen davon, dass es unwahrscheinlich ist, dass einer von Apotheke zu Apotheke läuft, um herauszufinden, wo er sein Viagra am billigsten herkriegt. Wichtiger ist ihm wahrscheinlich das diskrete Gespräch und ein Apotheker, dem er vertrauen kann. Aber eben, der hat jetzt für solche Lappalien keine Zeit mehr. Er muss Preise berechnen!
8. August 2006

