Müssen wir bald einen Gentest machen lassen, bevor wir ein Medikament einnehmen dürfen? Es sieht so aus. Carbamazepin zum Beispiel darf in den USA nur noch mit dem Vermerk verkauft werden, Asiaten sollten vor Einnahme einen Gentest machen. Grund: Es gibt eine Genvariante, die fast nur Asiaten tragen und die für schwerste Nebenwirkungen verantwortlich ist, wenn Carbamazepin eingenommen wird. Das ist die für die Pharmaindustrie nicht so positive Seite. Lukrativ kann es aber werden, wenn Pillen künftig von Anfang an auf Mass entwickelt werden. Patienten müssen sich allerdings warm anziehen, denn da kommt einiges auf uns zu.
Es wäre ja schön, wenn jeder genau das Medikament erhielte, das exakt auf ihn zugeschnitten ist und das er bestens verträgt, weil seine individuellen Gene berücksichtigt werden. Vor allem dann, wenn genetische Varianten so schwer wiegende Konsequenzen haben wie im Falle von Carbamazepin.
Was aber auf uns zukommt, wenn diese vorläufig noch weit entfernt liegende Möglichkeit Realität wird, ist ein paar Gedanken wert. Was bedeutet ein Gentest? Kann man nur gezielt die Genvariante prüfen, auf die es im konkreten Fall ankommt? Oder ist man als Patient plötzlich mit einer genetischen Visitenkarte konfrontiert, die auch anderes zutage fördert, zum Beispiel ob man anfällig ist für bestimmte Krebsformen, Alzheimer, Parkinson etc.
Was ist, wenn jemand all dies nicht wissen will und sich deshalb einem Gentest widersetzt? Kriegt er dann keine Therapie? Fliegt er aus der Krankenkasse? Muss er sich vorwerfen lassen, er gefährde die Allgemeinheit?
Abwegig sind solche Gedankenspiele nicht. Man schaue sich bloss an, was derzeit betreffend Masernimpfung passiert. Der Druck auf Impfverweigerer ist massiv. Wir haben zwar (noch?) keinen gesetzlichen Impfzwang, aber de facto sind wir nicht mehr weit davon entfernt.
Man muss kein Impfgegner sein, um sich zu fragen, warum plötzlich gegen so viele Krankheiten Impfstoffe propagiert werden. Haben wir es plötzlich nur noch mit Infektionskrankheiten zu tun? Sind wir so sicher, dass Alzheimer mit einer Impfung aus der Welt geschafft werden kann? Und wenn ja, ist denn Alzheimer ansteckend? Gegen welchen Erreger wird überhaupt geimpft?
Ein mulmiges Gefühl bleibt, denn da stecken auch handfeste Interessen dahinter. Medikamente sind nur für die Kranken, mit Impfungen erreicht man auch die gesunde Bevölkerung. Und wenn wir mit den individuell zugeschnittenen Medikamenten in dieselbe Richtung gehen, dann hat das vielleicht einige Vorteile. Ob sie die problematischen Seiten aufwiegen, muss sich erst noch zeigen.
3. März 2008

