Der Handel mit gefälschten Medikamenten ist zum lukrativen Handel geworden. Das ist in vielerlei Hinsicht brisant. Denn es ruft nach Massnahmen. Die Firmen versehen ihre Präparate mit Hologrammen, Barcodes und Siegeln. Aber welcher Normalbürger kennt diese Sicherheitsmerkmale schon? Deshalb hat die EU-Kommission nun das Werbeverbot für Arzneimittel gelockert. Die Pharmaindustrie soll in «gesundheitsbezogenen Publikationen» informieren dürfen, auch und gerade über Rx-Medikamente, denn die sind ja in erster Linie von den Fälschungen betroffen. Der Begriff gesundheitsbezogene Publikationen wird weit ausgelegt. Selbst die Gesundheitsseite in einer Tageszeitung soll darunter fallen.
Gegen diese Lockerung ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Offene Werbung ist allemal transparenter als die verschlungenen Wege über Patientenorganisationen, welche die Pharmaindustrie jetzt beschreitet, um ihre Botschaft doch noch irgendwie unter die Leute zu bringen. Nicht durchringen konnte sich die EU-Kommission zu einem Umpackverbot. Ein solches Verbot wäre zwar konsequent und im Sinne der Sicherheit das einzig richtige gewesen. Doch mit dem Heilsversprechen durch Parallelimporte lässt sich immer noch allzu gut vom Gewurschtel in anderen Bereichen, da wo echter Handlungsbedarf bestünde, ablenken.
12. Dezember 2008

