Auch in Deutschland haben es die Apotheken schwer. Sinkende Preise, geringe Margen und trotzdem hohe Kosten für Infrastruktur und Personal, führen bei unserem nördlichen Nachbarn zu einem massiven Apothekensterben. Nun denken die Apotheker, genauer gesagt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA, laut darüber nach, für Beratungsleistungen ein Honorar zu fordern. Medikationsmanagement, Interaktionsprüfungen und Patientendossiers sollen als patientenorientierte Dienstleistungen abgegolten werden.
Die deutschen Apotheken haben durchaus Grund zur Sorge. Die Zahl der Apotheken befindet sich mit weniger als 21‘000 Betrieben auf einem Neunjahrestief. Der Apothekenverband prognostiziert eine weitere Abnahme auf unter 20‘000 Apotheken im Jahr 2015. In ländlichen Gebieten sind sie schon heute dünn gesät. Und trotzdem kämpfen sie ums Überleben. In der Zeitung «Die Welt» vom 7. August erschien ein Porträt über einen Apotheker im 5000-Einwohner-Städtchen Marlow in Mecklenburg-Vorpommern. Der Mann versucht sich mit Dünger und Insektenvertilgern für Hobbygärtner und einem gut ausgebauten Hauslieferdienst über Wasser zu halten. Wirklich gesichert ist seine Existenz damit nicht. Kommt hinzu, dass auch die Ärzte auf dem Land kaum Nachfolger finden. Schliesst eine Praxis, bricht beim Apotheker sofort Umsatz weg.
Beim Bundesgesundheitsministerium findet man das alles nicht so schlimm. «Nach fetten Jahren sei nun Zeit für Wettbewerb und Spardruck», hiess es laut «Die Welt» aus den Amtsstuben der sicherlich fürstlich bezahlten und keinerlei Wettbewerb ausgesetzten Beamten. Und die gesetzlichen Krankenkassen finden, die Apotheken erhielten bereits heute «viel Geld» für die Beratung und man wolle aus Apotheken nicht «allgemeine Lifestyle-Beratungseinrichtungen» machen. Über solche Aussagen freuen sich bestimmt all die vielen Diabetiker, Krebspatienten, Rheumatiker und anderen chronisch Kranken, die auf die Dienstleistungen der Apotheke angewiesen sind. Aber die können ja schliesslich auch den Hauswart und die Kioskfrau fragen, wenn ihnen ihr «Lifestyle» Sorgen bereitet.
http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article118800852/Deutschland-Kompakt.html
8. August 2013

