Politik, Medien, Konsumentenschützer und Preisüberwacher, sie alle keifen wie gehässige Kleinkinder über angebliche zu hohe Medikamentenpreise. Mit ihrer Tiefstpreispolitik sind sie drauf und dran, die akkreditierten Vertriebskanäle, insbesondere die öffentliche Apotheke, zu ruinieren. Das ist ein gefährlicher Weg und ganz sicher nicht im Sinne der Arzneimittelsicherheit.
Die aktuellen Zahlen zum Thema Medikamentenfälschungen sind erschreckend. Experten schätzen, dass Medikamentenfälscher weltweit 75 bis 200 Milliarden US-Dollar einnehmen. Die Gewinnmargen liegen bei mehreren Hundert Prozent. Der Handel mit Medikamentenfälschungen ist also äusserst lukrativ, die dahinter stehenden Verbrecherbanden sind skrupellos, und die Einfallstore für Fälscherbanden sind ausgerechnet jene Kanäle, die der Bevölkerung von Konsumentenschützern, Preisüberwacher und Medien als Bezugsquellen für billige Medikamente kritiklos angepriesen werden: der Versandhandel und Parallelimporte.
Die WHO schätzt, dass 50 Prozent der online gekauften Medikamente gefälscht sind. Etwa 15 Prozent aller Medikamente stehen unter Fälschungsverdacht, und die Fälschungen kursieren in 123 Ländern. Besonders gravierend sind die Zustände in Asien und Afrika. In Asien sind bis zu 30 Prozent der Tabletten und Ampullen gefälscht, in Afrika bis zu 50 Prozent!
Alles weit weg? Betrifft uns nicht? Weit gefehlt. Selbst in westlichen Industrieländern muss man davon ausgehen, dass bis zu 1 Prozent der Medikamente gefälscht ist. In Italien ist Medikamentendiebstahl aus Spitälern an der Tagesordnung. Die Mafia verschiebt die gestohlene Ware dann über osteuropäische Staaten vorwiegend nach Deutschland. Den Grund dafür muss man nicht lange suchen. In Deutschland werden die Apotheker vom Gesetz gezwungen, 5 Prozent ihres Einkaufsvolumens bei einem Parallelimporteur zu kaufen. Und woher haben diese Unternehmen die Ware? Aus Billigländern natürlich. Preisdifferenzen sind das Geschäftsmodell. Wie aber stellen die Parallelimporteure sicher, dass die irgendwo gekaufte Billigware allen Sicherheitsstandards entspricht? Und falls Sicherheitskontrollen vorgenommen werden, wie viel Geld können oder wollen die Parallelimporteure dafür investieren? Denn wie gesagt, die Preisdifferenz ist das Geschäftsmodell. Im schlechtesten Fall steckt hinter dem Parallelimporteur die Verbrecherbande selbst. Es werden Scheinfirmen gegründet, Logos gefälscht, Internetportale missbraucht. Der Konsument darf wählen.
Fazit aus der erschreckenden Entwicklung: Hören wir endlich auf, mit zweifelhafter Tiefstpreispolitik der Drogenmafia in die Hände zu arbeiten. Gefälschte Medikamente gefährden Leib und Leben sehr vieler Menschen. Konzentrieren wir uns auf die akkreditierten Absatzkanäle mit direkter Verteilerkette: Hersteller – lokale Grosshändler – öffentliche Apotheke. Ohne dubiose Kurven. Und seien wir bereit, einen adäquaten Preis für die Dienstleistungen der Apotheke zu bezahlen. Verlässliche Bezugsquelle, seriöse Beratung und persönlicher Kontakt in der Apotheke sind in jedem Fall der kostengünstigste Weg zur Arzneimittelsicherheit.
11. November 2014
Foto © Photographee.eu – Fotolia

