Billige Medikamente noch billiger zu machen, ist ein Irrweg. Zahlreiche Politiker und die meisten Branchenkenner sehen die Medikamentenpreise heute wesentlich differenzierter als noch vor einigen Jahren. Nicht so bei Santésuisse. Andreas Schiesser, Projektleiter Medikamente beim Schrumpfkassenverband Santésuisse, haut unverdrossen in die ewig gleiche Kerbe «Hochpreisinsel» und fordert in der neuesten Ausgabe von Infosantésuisse das Tiefstpreisdiktat, als sei er der persönliche Assistent von Alain Berset. Dass durch die Preissenkungsrunden mit dem Rasenmäher bewährte Medikamente unwirtschaftlich geworden sind und vom Markt verschwinden, blendet er tunlichst aus. Stattdessen schimpft er gegen die «florierende Pharmaindustrie», als sei sie ein böser Ausschlag und nicht etwa eine der wichtigsten Säulen unserer Wirtschaft, und behauptet allen Ernstes, die Prämienzahler müssten ihr «einen Beitrag als Standortförderung» bezahlen. Was für eine bizarre Argumentation! So viel Lernresistenz eines Krankenkassenverbands ist wirklich scharfer Tobak.
Fast 50 Prozent der Kostensteigerung bei Medikamenten stammen von Präparaten, die mehr als 1000 Franken kosten. Sorgen machen sollte man sich bei den Kassen deshalb über die neuen Therapien gegen Hepatitis C, bestimmte Krebsarten und seltene Krankheiten, die leicht mehrere Zehntausend Franken pro Patient und Jahr kosten. Von diesen Arzneimitteln gibt es keine Generika und auch keine vergleichbaren Produkte im Ausland. Da hat die Pharmaindustrie tatsächlich praktisch freie Hand. Es ist aber keine Lösung, zur Kompensation die Preise von bereits kostengünstigen Medikamenten noch weiter zu senken. Diese unselige Politik schafft Versorgungslücken und Lieferengpässe und schwächt die Therapiesicherheit. Die ersten schmerzhaften Erfahrungen machen wir bereits.
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9. Oktober 2016
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