Bei Santésuisse lässt man sich die vorgefasste Meinung nicht kaputtmachen

Mann mit Brett vor dem KopfAm 27. April fand in Bern eine von Salvatore Volante, mmconsolut, hervorragend organisiertes hervorragend organisierte Academy on Health Care Policy statt. Unter dem Titel «Medikamentenpreise: Zu teuer oder zu billig?» sprachen hochkarätige Referenten zu den geladenen Gästen aus dem Gesundheitswesen. IFAK-Präsident Claus M. Hysek war dabei und hat seine Beobachtungen zusammengefasst:

Bemerkenswert ist bereits der Titel des Symposiums. Ist von Medikamenten die Rede, heisst es  in jedem Fall, sie seien (zu) teuer. Dass zum Beispiel Schmerzmittel heute weniger als zwei Franken kosten und somit billiger sind als eine Packung Ricola, nimmt niemand zur Kenntnis – oder will es nicht wissen. Dass Raucher bereit sind, für eine Packung Zigaretten mehr zu bezahlen als für ein Antibiotikum, sollte eigentlich auch zum Nachdenken anregen.

Es verwundert denn auch nicht, dass etliche Zuhörer unbeirrt an ihrer vorgefassten Meinung festhielten. Der Vertreter von Santésuisse hielt auch nach den Referaten stur an dem Apfel-Birnen-Vergleich fest, den sein Kassenverband der Bevölkerung regelmässig auftischt, und behauptete unbeirrt, Medikamente seien in der Schweiz viel zu teuer und sang ein Loblied auf Festpreise. Der Mann war offensichtlich nicht zum Zuhören da. Cornelia Wanke, ehemalige Vorstandssprecherin der AOK Deutschland und heute Geschäftsführerin von Hello Healthcare Berlin und der Akkreditierten Labore in der Medizin ALM e.V., zeigte in ihrem Referat die zahlreichen Fehlentwicklungen seit der Einführung von Festpreisen. Dazu gehören: Faktische Monopolstellung grosser Anbieter, zunehmende Versorgungsengpässe (ohne Ausweichmöglichkeit, denn alternative Anbieter gibt es kaum noch), zunehmende Blockierung von Innovationen. Und die von den Festpreisbefürwortern behauptete Einsparungen traten nicht mal im Ansatz ein. Zwei Milliarden Euro sollten, so die Behauptung, mit den Festpreisen jährlich eingespart werden. Tatsächliche Einsparung: Von 2012 bis 2015 wurden insgesamt gerade mal 1,5 Milliarden Euro eingespart. Dies Kosten dürften dafür an anderer Stelle eingefallen sein. Im Januar 2017 gab es in Deutschland 25‘203 Rabattverträge! Das ist ein bürokratischer Moloch. Allein diese Zahl zeigt, was für einen administrativen Monsteraufwand solche unsinnigen Regulierungen nach sich ziehen. Was dieser kostet, steht nirgends, aber er ist mit Sicherheit enorm. Man würde sich nicht wundern, wenn er die vermeintlichen Einsparungen sogar übersteigt.

Bei Santésuisse lässt man sich von solchen Erfahrungsberichten nicht beirren. Ganz nach dem Motto «Wir lassen uns unsere vorgefasste Meinung nicht kaputtmachen!» singt man dort weiterhin das Loblied der Festpreise.

Beruhigend war die Aussage von Nationalrätin Bea Heim. In ihrem Votum bekannte sie, dass sie bisher Festpreise für eine gangbare Lösung gehalten, aufgrund der Erfahrungen in Deutschland jedoch ihre Meinung revidiert habe. Auf dem Papier sehe diese Lösung interessant aus, aber angesichts der vorgebrachten Argumente sei sie nicht mehr überzeugt, dass dies der richtige Weg für die Schweiz sei.

Man kann nur hoffen, dass es noch weitere Politiker gibt, die sich eine objektive Meinung bilden und nicht einfach nachvollziehen, was lernresistente Kassenvertreter am Schreibtisch zusammenwursteln, damit es ihr fixes Schema passt.

http://www.mmconsult.ch/wp-content/uploads/2017/03/Flyer-Frühjahrs-Academy-27.-April-2017_Einzelseiten.pdf

Foto © bounlow-pic Fotolia.com

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